Was ich bisher über Food-Fotografie gelernt habe, zehn Tipps für Anfänger

Zunächst vorab: Seit ungefähr einem Jahr fotografiere ich regelmäßig und begeistert Food-Bilder, also noch nicht wirklich lange. Ich bin kein Profi, liebe aber meine leichte, handliche und kostengünstige Systemkamera, die Sony Nex7. Bisher habe ich nur ein einziges weiteres Objektiv und ein Stativ gekauft, mehr nicht. Auch wenn ich noch ziemlich am Anfang stehe, wurde ich schon ziemlich oft gefragt, ob ich nicht Tipps für Anfänger hätte. Auch wenn ich selbst noch viel zu lernen habe, würde ich dich gerne mitnehmen und von meinen Erfahrungen berichten. Dafür habe ich zehn praktische Tipps aufgeschrieben, die ich dir gerne an die Hand geben würde.

Hiermit mache ich auch bei der Blogparade „Meine besten Fotografie-Tipps“ von Steffi mit, wenn du auch Lust hast mitzumachen, schau doch mal vorbei.

1. Fotografiere bis zum Umfallen

Es ist so leicht sich in Tutorials und Youtube-Videos zu verlieren, aber wenn du bessere Fotos machen möchtest, musst du fotografieren. Punkt. Und zwar regelmäßig und über lange Zeit. Am besten ist, wenn du dir einen realistischen Plan machst, ich zum Beispiel fotografiere regelmäßig samstags mindestens ein Rezept, das ich auf meinem Blog veröffentlichen will. Ich habe dabei den Anspruch, dass mindestens fünf Bilder herauskommen, die veröffentlichungswürdig sind. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es richtig flutscht, das war der Fall bei den Heidelbeer-Pies unten, da wusste ich schon beim Bilder machen, dass sie super werden. Manchmal quält man sich und hat das Gefühl, dass keines der Bilder einen wirklich anspricht und gelungen ist. Vom Apfelrosenkuchen habe ich ungefähr die vierfache Menge an Bildern produziert wie von den Heidelbeer-Pies, bevor ich einigermaßen zufrieden war. Manchmal ist man im Flow, manchmal nicht, aber wichtig ist es dran zu bleiben und weiter zu machen. Durchschnittlich fotografiere ich eine halbe Stunde, bei mir ist dann die Luft raus. Finde für dich einen guten Zeitrahmen, den du über lange Zeit durchführen kannst und bei dem du bleibst.

Blueberry Hand PieVerschlusszeit: 1/100, ISO: 400, Blende: f4,5

Rezept: Süße Heidelbeer-Hand-Pies

Apple Roses CakeVerschlusszeit: 1/10, ISO: 400, Blende: f5,0

Rezept: Apfelrosenkuchen

2. Übe dich darin nur mit Tageslicht Fotos zu machen

Ich finde es erstaunlich wie viele Food-Blogger doch tatsächlich meinen ein künstlich angeleuchteter Happen mit hartem Schatten sähe appetitlich aus. Viele beschweren sich dann und meinen, dass das zu einschränkend sei, wenn man nur mit natürlichem Licht fotografiert. Ich wohne in Hamburg, glaub mir, ich weiß, dass Licht rar ist, gefühlt kann ich ein halbes Jahr lang kaum Bilder machen. Auch wenn natürliches Licht seine Tücken hat, wird dein Essen deutlich besser aussehen. Deshalb rate ich, laufe durch deine Wohnung, fotografiere das gleiche Essen in allen Räumen in der Nähe der Fenster, auch im Bad, und schaue wie es mit dem unterschiedlichen Licht wirkt. Du wirst erstaunt sein wie unterschiedlich die Stimmung ist, selbst wenn du ähnliche Bilder in allen Räumen machst. Ich fotografiere mittlerweile nur noch auf unserem überdachten Balkon oder aber im Bad. Warum? Weil wir ein Milchglasfenster haben, wodurch das Licht deutlich weicher ist als z.B. in der Küche. Licht ist ein unglaublich wichtiger Faktor bei der Fotografie und du kannst in Ruhe ausprobieren wo in deiner Wohnung das Licht das Essen am besten in Szene setzt. Gewöhne dir an nur noch dort Fotos zu machen, du wirst dann schnell herausfinden wie du in welcher Form das Essen plazieren musst, damit es gut aussieht.

monster cookieVerschlusszeit: 1/125, ISO: 400, Blende: f3,2, auf unserem überdachten Balkon im warmen Abendlicht fotografiert

Rezept: Monster-Cookies

3. Schieße nur noch manuell Fotos

Ich kenne das, man ist sooooooo langsam, wenn man manuell Fotos schießt, bis zu heutigen Tage wünschte ich, ich wäre schneller. Aber ich habe mir irgendwann geschworen nur noch manuell Fotos zu schießen. Denn nur, wenn man anfängt Verschlusszeit und ISO zu beherrschen, nur wenn man versteht, was die Kamera da eigentlich macht, besteht die Chance, dass man sie beherrscht und nicht umgedreht. Es war zu Beginn bei mir eine große Umstellung, aber ich habe es nicht bereut.

Einen sehr großen Vorteil haben wir als Food-Fotografen: Essen ist geduldig. Insbesondere bei Kuchen, Cookies und Cupcakes braucht man sich keine Gedanken zu machen, dass sich etwas bewegt oder eine andere Stimmung entsteht. Ich kann den Kuchen auch noch ein zwanzigstes Mal einen Zentimeter nach links drehen und die Deko oder Farbkombo nochmal ändern. Nutze das zu deinem Vorteil!

Schokoladenküchlein mit flüssigem KernVerschlusszeit: 1/100, ISO: 400, Blende: f3,5, Herzrate von Jenny: 220, da der Kern nicht lange flüssig bleibt

Rezept: Schokoküchlein mit flüssigem Kern

4. Konzentriere dich auf einen Aspekt beim Fotografieren

Zu Beginn scheint es überwältigend, was man alles beachten muss, wenn man manuell ein Foto schießt. Ich beschloss deshalb zunächst einfach nur die Blende zu verstehen und alle anderen Parameter gleich zu lassen. Was passiert da eigentlich, wenn ich die Blende ganz klein mache, also wenig Licht in die Kamera hineinkommt, was passiert, wenn ich sie weit öffne? Ich schoss also viele Bilder mit genau der gleichen Komposition, einmal mit weit geöffneter Blende, einmal kleiner. Auf diese Weise lernte ich innerhalb von fünf Minuten, was ich mir tagelang in der Theorie angeeignet hatte. Aber wie gesagt, schraube nur an einem Parameter und lasse die anderen alle gleich, so merkst du wie sie alle voneinander abhängig sind und wirst sie irgendwann bewusst steuern können.

Chocolate CupcakeVerschlusszeit: 1/60 ISO: 200, Blende: f7,1

Dass die Blende so klein ist, obwohl viel Bokeh (verwischter Hintergrund) zu sehen ist, liegt daran, dass hier in der Mittagszeit fotografiert wurde, das Bild also sonst komplett überbelichtet gewesen wäre. Außerdem ist dieses Bild so dicht an den Cupcakes gemacht, dass eine weit geöffnete Blende einen viel zu kleinen Fokus scharf gestellt hätte

Rezept: Die besten Schoko-Cupcakes

5. Kaufe dir das Standard-Objektiv 1,8/50 und lerne es zu beherrschen

Seit ungefähr einem Jahr sind alle Fotos, die du auf meinem Blog siehst, nur noch mit einem einzigen Objektiv geschossen: dem 1,8/50. Es ist ein Objektiv mit fester Brennweite, was bedeutet, dass man nicht zoomen kann. Wenn du etwas näher „zoomen“ möchtest, musst du dich bewegen. Der Vorteil dieses Objektiv ist, dass es deutlich lichtstärker ist als mein 3,5-5,6/18-55 (das wurde mit der Kamera mitgeliefert), also auch in schlechteren Bedingungen immer noch tolle Bilder liefert. Da es dem menschlichen Auge nachempfunden ist, also die Kamera ungefähr genauso „guckt“ wie ein Mensch, finde ich es intuitiv leicht zu handhaben und kann es insbesondere Anfängern empfehlen. Da es eines der Standardobjektive ist, egal von welcher Marke, ist es fast immer kostengünstig, ich habe ca. 200 Euro ausgegeben und diese Investition bisher nicht bereut. Jetzt, ein Jahr später, denke ich darüber nach, mir eventuell noch ein Makroobjektiv zuzulegen, aber bis dato bin ich sehr zufrieden mit dem 1,8/50 und empfehle jedem, sich zunächst dieses Objektiv zu kaufen. Unten zwei Bilder, die beide mit dem 1,8/50 geschossen wurden.

Links: Verschlusszeit: 1/160, ISO: 1600, Blende: f2,2, rechts: Verschlusszeit: 1/60, ISO: 400, Blende: f3,2

Rezept: Whisky-Schokotorte mit Karamell

6. Folge Blogs, Instagramern oder Zeitschriften, bei denen dir die Fotos gefallen und ahme sie nach

Es mag vielleicht lapidar klingen, aber ich habe lange Zeit versucht Fotos zu imitieren, die mir gefallen haben. Das unten stehende Foto basiert auf einem Foto meiner Lieblingsbloggerin Sally. Durch Nachahmung lernt man meiner Meinung nach am besten. Teilweise folge ich bestimmten Blogs auch deshalb, weil die Fotos mich inspirieren. Wie zum Beispiel diesem. Gerade wenn du als Food-Blogger unterwegs bist, würde ich dir raten gezielt auf Pinterest nach dem Rezept suchen, von dem du Fotos schießen möchtest. Nehmen wir zum Beispiel das unten abgelichtete Baisernest. Entweder hätte ich einfach „Baiser“ gesucht oder spezifischer „Pavlova“, so nennt sich das Rezept unten, und dann geschaut, welche Bilder mich besonders ansprechen. Oft ist das meine Inspirationsquelle, um dann über mein eigenes Set nachzudenken, zu schauen, wie ich mein Werk in Szene setze. Dabei geht es nicht um die sogenannten Food-Props, also die ganzen Utensilien, die man noch dekorativ ins Bild nimmt, sondern um die Grundkomposition. Bestimmte Winkel machen sich bei Kuchen schlecht während sie bei Cupcakes super sind. Cookies muss man anders ablichten als eine Teigschüssel. Im Laufe der Zeit wirst du dir ein bestimmtes Repertoire angewöhnen und brauchst dann auch nicht mehr ganz so lange, um ein tolles Foto zu machen.

pavlova with lemon curdVerschlusszeit: 1/100, ISO: 200, Blende: f3,5

Rezept: Baisernest mit Zitronencreme und Sahne

7. Lass das Essen für sich sprechen

Ich weiß, dass es auch ein wenig vom eigenen Stil abhängig ist, aber meiner Meinung nach sollte man sich insbesondere zu Beginn seiner Food-Fotografie darauf konzentrieren, dass das Essen selbst auf den Fotos appetitlich aussieht. Wie viele fangen dann an allerlei Deko, Food-Props und sonstiges Klimbim drumherum zu legen und ich habe oft das Gefühl, das soll irgendwie kaschieren, dass das Foto selbst gar nicht so gut ist. Wenn dein Essen ohne Deko nicht ansprechend ist, dann machst du irgendwas falsch. Ich meine jetzt nicht so etwas Simples wie z.B. ein Geschirrtuch als Unterlage zu nehmen oder einen Löffel dazuzulegen, aber manche Blogger bauen so ein wildes Sammelsurium ums Essen, dass man quasi auf die Suche gehen muss. Schau dir das Bild unten an, es gibt nur eine blaukarierte Decke zu sehen, einen weißen Teller und weißen Hintergrund, mehr nicht. Sieht aber trotzdem so aus, als wenn du gleich reinbeißen willst, oder?

torta de fiambreVerschlusszeit: 1/50, ISO: 400, Blende: f 5,6

Rezept: Uruguayische Pizza

8. Kaufe dir Spanplatten, die du mit selbstklebender Folie oder ähnlichem beklebst

Man braucht nicht viel, um Abwechslung in seine Hintergründe zu bekommen. Spanplatten a mindestens 60x60cm oder noch besser 80x80cm sind für wenig Geld im Baummarkt zu finden und können mit Folie, Tapete oder anderen Sachen beklebt werden. Auch Fliesen eignen sich hervorragend als Hintergrund. Das unten stehende Bild wurde vor einem schwarzen Pappkarton fotografiert, der auf eine Spanplatte geklebt wurde. Kosten: ca. 5 Euro.

Black Forest CakeVerschlusszeit: 1/10, ISO: 400, Blende: f6,3

Rezept: Klassische Schwarzwälder Kirschtorte

9. Durchwühle deinen Kleiderschrank nach möglicher Deko

Alte Jeans, Hemden, Wollpullover oder auch Geschirrtücher und ähnliches eignen sich hervorragend, wenn man noch etwas Stoff ins Bild einbauen möchte. Bei unten stehendem Bild wurde ein Bettlaken als Hintergrund verwendet. Kosten: 0 Euro.

Chocolate Layer Cake with Raspberry Curd and Chocolate GanacheVerschlusszeit: 1/25, ISO: 200, Blende: f2,8

Rezept: Schokotorte mit Himbeer-Curd

10. Schieße Fotos vom gleichen Rezept mit einigen Monat Abstand

Du hast den Eindruck du wirst nicht besser? Deine Fotos sind immer noch so schlecht wie früher? Dann mache dich ans Werk und backe/koche ein Rezept deiner Anfangszeit nach und mache frische Bilder. Siehst du irgendeinen Unterschied auf den Fotos? Ich fand es sehr ermutigend dann festzustellen, dass ich in der Tat deutlich bessere Fotos gemacht hatte. Das gab mir dann gleich neuen Schwung mich ans Werk zu machen.

Das gleiche Rezept, oben im Mai 2017 fotografiert, unten im März 2018

Rezept: Meine Lieblings-Chocolate-Chip-Cookies

Was hat dir am Anfang am meisten geholfen? Hast du noch weitere Tipps parat?

Foto von Daniel Cuervo

You Might Also Like

8 Comments

  • Reply
    Steffi
    Donnerstag, der 12. April 2018 at 14:51

    Ein ganz toller wertvoller Artikel! Insbesondere den Tipp, nur einen Parameter zu verstellen, um die Kamera zu verstehen, ist super. Auch die Fotos sind echt appetitlich. Meine Foodfotos sind bisher immer Marmeladenglasfotos. Ich liebe es, Marmelade zu kochen.

    • Reply
      Jenny
      Donnerstag, der 12. April 2018 at 14:59

      Hihi, du bist ja lustig! Ich bin technisch immer noch am Anfang, aber erst einmal einen Parameter zu verstellen hat mir sehr geholfen.

  • Reply
    Isabella
    Donnerstag, der 12. April 2018 at 16:13

    Das sind aber tolle Tipps! Ich fotografiere selbst noch nicht so lange, mir macht es aber total Spaß und ich lerne bei jedem Mal etwas dazu. Seit neuestem fotografiere ich nur noch manuell. Hatte erst etwas Bedanken, weil es sich immer so kompliziert angehört hat, aber es ist teilweise echt intuitiv. Dein 10. Punkt ist übrigens eine sehr gute Idee, dass werde ich tatsächlich mal probieren 🙂

    • Reply
      Jenny
      Donnerstag, der 12. April 2018 at 16:23

      Danke, Isabella! Ich finde es wichtig, dass man dran bleibt! Es gibt immer zu lernen, aber mir macht es auch total Spaß! Freut mich und bleib dran!

  • Reply
    Melissa
    Donnerstag, der 12. April 2018 at 23:14

    Great tips! Thanks for sharing! I have just recently learned to use the manual mode on my camera. And yes, practice, practice and practice. I have a 50mm lens that stopped working (AF mode is stuck), I think it’s time to get it repaired. 🙂

    • Reply
      Jenny
      Donnerstag, der 12. April 2018 at 23:18

      Hey Melissa, happy to hear you are excited about food photography. I really love my lense, it does take great pics. Yeah, probably you should get it repaired!

  • Reply
    Sabrina
    Freitag, der 13. April 2018 at 14:38

    Liebe Jenny,
    das ist ein sehr schöner Artikel von einem Anfänger für Anfänger.
    Wenn man schon ein Weilchen dabei ist (>3 Jahre Food Fotografie, > 8 Jahre Fotografie allgemein) dann sind manche Dinge so selbstverständlich geworden, dass man sich gar keine Gedanken mehr darüber macht.
    Punkt Nummer 4 zum Beispiel ist gold wert. Mit Ruhe und Geduld erstmal die Grundfunktionen des eigenen Equipments kennenlernen. Ganz wichtig 🙂

    Auch die Objektivempfehlung kann ich nur unterstützen. Das perfekte Anfänger Objektiv, das dank der offenen Blende und des schönen Bokehs richtig Lust aufs Fotografieren macht. (Ich habe zwei solche Exemplare schon auf dem Gewissen^^)

    Punkt 1 und 10 sind auch ganz entscheidend. Ganz viel üben und ausprobieren UND sich seinen Fortschritt immer wieder vor Augen führen.

    Ich finde deine Fotos übrigens sehr schön und hätte nicht gedacht, dass du erst seit einem Jahr richtig dabei bist 🙂 Bin sehr gespannt, was da noch so kommen wird.

    Bis dahin liebe Grüße,
    Sabrina

    • Reply
      Jenny
      Freitag, der 13. April 2018 at 14:51

      Liebe Sabrina, danke für deine ausführliche Antwort und netten Worte! Ich bin auf jeden Fall mit Begeisterung dabei und war selbst erstaunt wie viel ich mir schon mitgenommen habe. Grüße, Jenny

    Leave a Reply