Kolumbianische Tamales

Kolumbianische tamales

Heute öffne ich das achte Türchen des legendären Foodblogger-Adventskalenders von Zorra mit einer Spezialität aus Kolumbien: tamales. Das ist eine Mischung aus Fleischteilen, Gemüse und Maisbrei, die in eingewickelten Bananenblättern gedämpft wird. Traditionellerweise werden tamales insbesondere zu Weihnachten gegessen und als gesamte Großfamilie gemeinsam zubereitet, da sie sehr zeitaufwändig sind. Ich habe schon von Kolumbianern gehört, die nichts anderes in ihrer Kindheit zu tun hatten als ihren Finger jeweils auf dem Knoten zu legen, wenn die designierte Mama/Oma/Tante dann die Bananenblätter gut festschnürte, bevor sie gegart wurden. Was für eine Aufgabe, immer brav den Finger hinzulegen, damit wieder ein tamal festgeschnürt werden konnte! Wenn man denn schon tamales machte, das lernte ich schnell, machte man sie für eine Großfamilie, die gefühlt mehrere Tage davon zehren wollte, unter mindestens 15 tamales ging da gar nichts, oft waren es mindestens 30 oder mehr. Tamales zubereiten zu wollen, kam ungefähr dem Ritterschlag gleich.

Ich traute mich an tamales das erste Mal, um meinem kolumbianischen Mann und unseren Gästen eine Freude zu machen. Mithilfe von Tipps von der Schwiegermama und viel Recherche klappten sie gleich beim ersten Mal und ich hatte selige Kolumbianer in Weihnachtsstimmung um mich. Als ich dann aber eine Weihnacht später Bananenblätter mit nach Spanien zu meinen Schwiegereltern nahm, die mittlerweile dorthin umgezogen waren, entglitt meiner Schwiegermutter das Gesicht: sie hatte schlechte Erinnerungen an große Produktionen von tamales. Dass ich sie nun quasi dazu drängte, schien ihr im ersten Moment nicht zu behagen. Aber sie fasste sich schnell und startete die Großproduktion dann doch mit viel Elan und mithilfe der Unterstützung der gesamten Familie. Somit hatten wir auch in Spanien am Ende selige Kolumbianer in Weihnachtsstimmung.

Kolumbianische tamales tolimensesFalls du spanisch sprichst, kann ich dir dieses süße Youtube-Video empfehlen, das so richtig gut zeigt was für eine Familienaufgabe tamales tatsächlich sind und in welch gigantischen Mengen sie produziert werden, ich sag nur, Trogbenutzung! Kolumbianische tamales, das wurde mir immer wieder und wieder bestätigt, werden niemals in Maisblättern zubereitet, das ist allein etwas Mexikanisches. Die Bananenblätter geben den kolumbianischen Tamales ihren charakteristischen Geschmack, deshalb also unbedingt in Bananenblätter garen. Ich fand leider erst sehr spät heraus, dass Banananblätter oft in Asia-Läden verkauft werden. Hier oft im gefrorenen Zustand, deswegen hatte ich sie übersehen. Wenn sie aufgetaut sind, funktioniert es aber genauso gut. Es ist kein Witz, mittlerweile kann man die Bananenblätter auch auf Amazon bestellen, es ist also alles möglich. Ich konnte sie sogar bei unserem geliebten Obstmann in München frisch bestellen.

Kolumbianische tamales tolimensesKolumbianische tamales haben als Grundzutat immer drei Komponenten: Fleisch, das kann von Rind,- Schwein- auch Hühnerfleisch sein, oft werden mindestens zwei oder gar drei verschiedene Fleischsorten kombiniert; Gemüse, als auch ein Maisbrei. Je nach Region kommt verschiedenes Gemüse zum Einsatz: Kartoffeln, Erbsen, Kichererbsen, Karotten, gekochtes Ei, Reis und ähnliches. Da die tamales aus der Region Tolima am bekanntesten sind, habe ich beschlossen zunächst nun diese „tamales tolimenses“ vorzustellen. Sie werden mit zwei Sorten Schweinefleisch und einem Stück Hähnchen zubereitet. Im Endeffekt stapelt man die Zutaten alle fein säuberlich in die Mitte des Bananenblattes, packt es dann wie ein Päckchen gut ein und schnürt es zu, bevor man die tamales in einem großen Topf dämpft. Ich sage euch, nach ca. einer halben Stunde fängt es an ganz wunderbar nach den Bananenblättern zu riechen, das sag ich euch, ein Duft, das sind Aromen! Natürlich riecht man auch das Fleisch, aber die Bananenblätter dominieren, man muss es einfach selbst ausprobieren, dann glaube ich versteht ihr was ich meine.

Und da ich davon ausgehe, dass der Durschnittsleser dieses Beitrags noch nie kolumbianische tamales gemacht hat, gibt es unten eine ganz genaue Schritt-für-Schritt-Anleitung, auf dass dir diese Päckchen hoffentlich gleich beim ersten Mal gelingen. Deshalb also genug geredet, lass uns tamales machen!

Tamales werden gedämpftHier dämpfe ich tamales mit einem Nudelsieb und Deckel

Ursprung: Sweet y salado (auf Englisch und Spanisch)

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Kolumbianische Tamales

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Serves: 14 Tamales
Prep Time: 4 hrs Cooking Time: 1 hr Total Time: 5 hrs

Kolumbianische Tamales bestehen hauptsächlich aus einer Mischung aus Schweine- und Hähnchenfleisch und Maisbrei. In Bananenblätter gewickelt, dämpft man diese für ca. eine Stunde.

Ingredients

  • Marinade für das Fleisch
  • ½ Zwiebel
  • 2 Bund Frühlingszwiebeln
  • 4 Knoblauchzehen
  • 2 EL "Color", Pulver vom Annattostrauch (online bestellbar)
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack
  • 480g Wasser
  • 500g frische Schweinerippchen in 14 Stücke geschnitten
  • 500g frischer Schweinebauche in 14 Stücke geschnitten
  • 7 Hähnchenflügel in 14 Stücke geschnitten

  • 1 kg Bananenblätter (ich konnte sie direkt frisch beziehen, oft findet man sie gefroren in Asia-Läden)

  • Guiso-Soße
  • 2 EL Olivenöl
  • 3 Bund Frühlingszwiebeln
  • 2 Knoblauchzehen
  • ½ rote Paprika, kleingeschnitten
  • 4 Tomaten ohne Samen, kleingeschnitten
  • 1 EL "Color", Pulver vom Annattostrauch (online bestellbar)
  • 1 TL Cumin
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack

  • Weitere Füllung
  • 4 Kartoffeln
  • 2 große Möhren
  • 7 hartgekochte Eier
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack

  • "Masa" oder Maismehlbrei
  • 2400g Wasser
  • 1 EL Hähnchenbrühenpulver
  • 1 EL "Color", Pulver vom Annattostrauch (online bestellbar)
  • 1 TL Zwiebelpulver
  • 1 TL Knoblauchpulver
  • 1 TL Kumin
  • Salz und Pfeffer nach Geschmack
  • 500g Maismehl, vorgekocht
  • 150g frische oder gefrorene Erbsen
  • 50g Gänseschmalz (optional)

Instructions

1

Für die Marinade die Zwiebelsorten, Knoblauch, Gewürze und Wasser in einem Food-Processor zu einer Soße verarbeiten. Die Schweinefleischsorten in jeweils gleiche 14 Stücke teilen, ebenso die Hähnchenflügel jeweils halbieren und alles zusammen mit der Marinade in eine große Schüssel geben und gut miteinander vermischen. Über Nacht im Kühlschrank gut abgedeckt kühlen.

2

Die Bananenblätter in ca. 50cm große Rechtecke schneiden. Ich habe pro Tamal jeweils drei kleingeschnittene Blätter verwendet, das größte als Basis, ein mittelgroßes als Querstreifen und ein kleines für die Mitte ganz oben. Alle Blätter von beiden Seiten mit einem feuchten Tuch vorsichtig säubern. Im Anschluss die Blätter nochmal mit Wasser besprühen und z.B. mit einem Crepe-Gerät, in einer Pfanne oder auf dem Herd auf niedrigerer Hitze von beiden Seiten komplett kurz "abbrennen". Dadurch werden sie biegsamer und brechen nicht so leicht. Wenn man möchte, kann man auch die Bananenblätter am Vortag so vorbereiten. Dazu dann vorbereitet und gestapelt abgedeckt bei Zimmertemperatur stehen lassen. Bananenblätter lassen sich auch sehr gut einfrieren.

3

Für die Guiso-Soße zunächst die klein geschnittenen Zwiebeln und Knoblauch im Olivenöl glasig anbraten, dann kleingeschnittene Paprika und entkernte und kleingeschnittene Tomaten hinzugegen und nochmal einige Minuten mit anbraten. Mit den Gewürzen abschmecken. Diese Soße kann man auch am Vortag zubereiten. Zur Seite stellen.

4

Die Kartoffeln und Möhren schälen und in dicke Scheiben schneiden. In einer Schüssel bereitstellen. Die Eier hart kochen, schälen und auf die Hälfte schneiden.

5

Für den Maismehlbrei das Wasser mit allen Zutaten bis auf das Maismehl, die Erbsen und den Gänseschmalz unter Rühren erwärmen, das Wasser sollte noch nicht ganz kochen. Sobald alles heiß ist, langsam das Maismehl hinzugeben, dabei gut rühren und nach und nach die Klumpen mit dem Löffel ausdrücken. Sobald ein Brei entstanden ist, die Erbsen und den Gänseschmalz einrühren. Ebenfalls zur Seite stellen.

6

Am nächsten Tag das Fleisch in etwas Öl in der Pfanne von allen Seiten für einige Minuten bräunen. Ich habe das mit zwei Pfannen in zwei Durchläufen gemacht. Die Idee ist, dass dadurch das Fleisch noch mehr Würze erhält und man die Dämpfzeit deutlich reduzieren kann, da das Fleisch nicht mehr komplett roh ist.

7

Nun ca. 3-4 Bananenblätter heraussuchen und zurechtlegen. Zunächst ca. 2 EL Maisbrei in die Mitte streichen. Dann jeweils am Rande des Breis eine Scheibe Möhre und zwei Scheiben Kartoffel hineindrücken (siehe Fotos). Obenauf kommen die drei verschiedene Fleischstücke, das halbe Ei und dann jeweils ein Löffel der Guiso-Soße. Zum Schluss nochmal ca. 1 EL Maisbrei verteilen. Nun jeweils links und rechts die Seiten umklappen und oben und unten, dass man ein rechteckiges Päckchen erhält. Gut mit einem Zwirn festschnüren. Es ist ein bisschen so wie ein Geschenk einpacken, allerdings wird hier das "Geschenk" nur vom Zwirn zusammengehalten. Es ist sehr wichtig, dass der Inhalt kein Wasser abbekommt und die Päckchen gut eingepackt sind. Zu zweit klappt das "Päckchen schnüren" deutlich besser als allein. So mit allen 14 Tamales verfahren.

8

In einen oder zwei großen Töpfen ca. 4cm Wasser geben und zum Kochen bringen. Ich nehme für uns zu zweit ein Nudelsieb, das ich in den Topf hängen kann. Die Tamales sollen nicht in Wasser gekocht werden, sondern nur gedämpft. Die Tamales entsprechend für eine Stunde mit Deckel dämpfen (siehe Foto). Dabei immer wieder heißes Wasser nachgießen. Zum Servieren die "Päckchen" einige Minuten auf dem Teller liegen lassen, dann aufschneiden und genießen.

Notes

Bereits fertig gedämpfte Tamales lassen sich wunderbar einfrieren. Ich wickle dazu jedes einzelne in etwas Zeitungspapier und lege sie dann in die Gefriertruhe. Zum Auftauen auf Zimmertemperatur bringen und dann nochmal für ca. 15-20min in einem Topf bei kochendem Wasser dämpfen. Ungedämpfte Tamales kann man zwei Tage im Kühlschrank aufbewahren und erst dann dämpfen. Gefrorene Tamales am besten ohne gekochtem Ei servieren.

Kolumbianische tamales tolimensesP.S. Wie bereits oben erwähnt, öffne ich mit diesem Rezept bei Zorras legendärem Foodblogger-Adventskalender das achte Türchen. Schau unbedingt täglich bei ihr vorbei. Es gibt tolle Preise von Kenwood, De’Longhi, Braun, GRAEF, GEPA, ConsorcioSerrano, kochtrotz und Experimente aus meiner Küche zu gewinnen. Und zu schauen, was für Malheur den Foodbloggern bei ihrem Türchen passiert ist, ist sowieso immer wieder amüsant zu lesen. Ich kann nur von Glück sprechen, dass meine Schwiegermutter immer noch gut auf mich zu sprechen ist, obwohl ich sie dazu verdonnerte tamales zu machen.

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13 Kommentare

  • Antworten
    zorra vom kochtopf
    Mittwoch, der 8. Dezember 2021 at 10:47

    Wow, so ein essbares Päckchen würde ich gerne unter meinem Weihnachtsbaum finden. Aber ich muss wohl selber ran. Mit deiner tollen Anleitung sollte es ja auch klappen. Danken für das schöne Türchen und den Einblick in kolumbianische Weihnachtstradition.

    • Antworten
      Jenny
      Mittwoch, der 8. Dezember 2021 at 11:07

      Ja, ich hab auch schon überlegt die Päckchen unter den Weihnachtsbaum zu legen, wäre doch ein tolles Geschenk!

  • Antworten
    Ilka
    Mittwoch, der 8. Dezember 2021 at 12:04

    Das ist ja aufregend, danke für die coole Idee.
    Viele Grüße
    Ilka

  • Antworten
    Britta von Backmaedchen 1967
    Mittwoch, der 8. Dezember 2021 at 13:11

    Ach wie herrlich, ich stelle mir gerade die seeligen Gesichter vor nachdem sie deine lecker aussehenden Tamales gegessen haben. So ein Päckchen würde ich auch mal gerne probieren.
    Liebe Grüße
    Britta

    • Antworten
      Jenny
      Mittwoch, der 8. Dezember 2021 at 13:53

      Ich schick dir eines virtuell!

  • Antworten
    Conny
    Mittwoch, der 8. Dezember 2021 at 15:44

    Liebe Jenny,
    Weihnachtspäckchen für den Teller? Was für eine großartige Idee. Ich will sofort in die Großproduktion einsteigen. 😉 Danke für den Tipp mit den Bananenblättern, die wären hier sonst wohl nur schwer aufzutreiben.
    Herzlichst, Conny

    • Antworten
      Jenny
      Mittwoch, der 8. Dezember 2021 at 16:35

      Aber sehr gern, ein Päckchen kommt virtuell zu dir!

  • Antworten
    Susan
    Samstag, der 18. Dezember 2021 at 12:23

    Liebe Jenny,

    was für ein tolles Türchen und ein richtiger Hingucker auf dem Teller. Habe es mir gleich auf Pinterest für später gespeichert.

    Herzliche Grüße

    Susan

    • Antworten
      Jenny
      Samstag, der 18. Dezember 2021 at 12:55

      Danke dir, ist ziemlich aufwändig, aber echt lecker.

  • Antworten
    Manuela
    Freitag, der 24. Dezember 2021 at 11:53

    Sehr verlockend! Das werde ich sicher mal ausprobieren 🙂
    Fröhliche Weihnachten
    Manuela

    • Antworten
      Jenny
      Freitag, der 24. Dezember 2021 at 16:20

      Das wünsche ich dir auch!

  • Antworten
    Tina von Küchenmomente
    Samstag, der 25. Dezember 2021 at 20:08

    Frohe Weihnachten liebe Jenny,
    ich finde ja Spezialitäten aus anderen Ländern immer total spannend! Das Video habe ich mir natürlich auch angeschaut und wirklich Appetit bekommen. Schade, dass sie so aufwändig sind, aber probieren würde ich die hübschen kleinen Päckchen ja doch sehr gerne mal.
    Herzliche Grüße und komm gut ins neue Jahr,
    Tina

    • Antworten
      Jenny
      Sonntag, der 26. Dezember 2021 at 07:37

      Liebe Tina, dir auch frohe Weihnacht! Sie sind aufwändig, aber auch total lecker!

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